HAIR / DOMPLATZOPENAIR THEATER MAGDEBURG

PREMIERE 17.06.2016

LEADING TEAM

MUSIKALISCHE LEITUNG: DAMIAN OMANSEN

REGIE: ERIK PETERSEN

CHOREOGRAFIE: KATI FARKAS

BÜHNE: JENS KILIAN

KOSTÜM: DAGMAR MORELL

DRAMATURGIE: THOMAS SCHMIDT-EHRENBERG

BESETZUNG

CLAUDE: JAN REKESZUS

BERGER: GIL OFARIM

SHEILA: NEDIME INCE

WOOF: ANDREAS BONGARD / BENJAMIN SOMMERFELD

DIONNE: ANA MILVA GOMES

HUD: DANIEL DODD-ELLIS

JEANIE: BEATRICE REECE

CRISSY: CHRISTINA PATTEN

MARY: TINA HAAS

RONNY: DENISE LUCIA AQUINO

DIANE: JULIA DAVINE

BERT: MAICKEL LAIJENHORST

STEVE: ANTHONY CURTIS KIRBY

PETER: ROMEO SALAZAR

MR. BUKOWSKI / MARGARET MEAD: PETER WITTIG

MRS. BUKOWSKI: ULRIKE BAUMBACH

ANGESTELLTE U.A.: FRANK HEINRICH, JÜRGEN JAKOBS, ALEJANDRO MUNOZ CASTILLO / PETER DIEBSCHLAG, CHANG YOUNG LEE, UTA ZIERENBERG

BALLETT MAGDEBURG

PRESSEZITATE

Im Schatten des Magdeburger Doms feierte am Freitag das Open-Air-Musical „Hair“ seine Premiere - das Publikum gab Ovationen im Stehen.

Magdeburg l Es ist die bunte, schrille, mit Drogen bewusstseinserweiterte Welt der Hippies in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre. Mit langen Haaren, Slogans wie „Make love, not war“ und der Verachtung des Establishments machten sie deutlich, dass sie anders leben wollten. Sie setzten sich mit nach ihrer Meinung unpolitischen Mitteln gegen den Krieg in Vietnam, gegen Rassismus und Gewalt zur Wehr. Aber man kann nicht durch einen Fluss schwimmen, ohne nass zu werden, unpolitisch in einer politisierten Gesellschaft agieren.

Das war der Ansatz des heute in Hamburg lebenden Magdeburgers Erik Petersen, der als Regisseur dieser opulenten „Hair“-Inszenierung die Reihe erfolgreicher Arbeiten in seiner Heimatstadt fortsetzte. „Hair“ ist keine in sich geschlossene Geschichte, sondern eher die Aneinanderreihung von Szenen, Musikstücken, die inzwischen Welthits sind, Tanz und skurrilen Fantasieausflügen dank LSD. Wildes Hippie-Leben eben. Doch das war Petersen zu wenig. Krieg, Rassismus und Gewalt sind allgegenwärtig, das Auflehnen dagegen wichtiger denn je.

Dennoch kommt die Unterhaltung zu keiner Sekunde zu kurz. Auf der fiktiven Baustelle des World Trade Centers geht es auf allen Ebenen drunter und drüber; es wird gesungen, gelacht, getanzt und geliebt. Die etablierte Gesellschaft, angeführt von Mr. Bukowski, in dieser und weiteren Rollen genial mit Peter Wittig besetzt, will diese Hippie-Gruppe, auch „Tribe“ genannt, vertreiben. Doch Sohn Claude Bukowski (Jan Rekeszus), schließt sich den Hippies an, die er bewundert. Damit ist der Reigen der Stars eröffnet, die für ein solches Open-Air-Spektakel als Publikumsmagneten wichtig sind.

Jan Rekeszus in der Hauptrolle des Claude ist zweifellos ein Shooting-Star. Vor gerade einmal vier Jahren begann er ein Musicalstudium an der Berliner Universität der Künste. Schon ein Jahr später war er Preisträger des Bundeswettbewerbs Gesang. Dass er gleichzeitig auch ein hervorragender Darsteller ist, machte er mit der Entwicklung des zögernden jungen Mannes, der ständig zwischen seinen Wünschen nach dem freien Hippie-Leben und den Zwängen der Gesellschaft hin- und hergerissen wird, überzeugend deutlich.

Der Münchner Gil Ofarim startete seine Musikkarriere 1997, ist mit seiner Rock-Band „Acht“ und als Schauspieler überaus erfolgreich. Die Magdeburger Inszenierung „Hair“ war sein erstes Musical, die Rolle des „Tribe“-Anführers Berger eine wirkliche Herausforderung für ihn. Vater Abi Ofarim, israelischer Sänger, Gitarrist und Choreograph, der als Gesangsduo Esther & Abi Ofarim international bekannt wurde, verfolgte übrigens aus dem Publikum den Auftritt seines Sohnes.

Stimmlich herausragend überzeugte Ana Milva Gomes in der Rolle der Dionne. Die gebürtige Holländerin mit kapverdischen Wurzeln ist auf den europäischen Musicalbühnen zu Hause. Nedime Ince (Sheila) stand ihr in nichts nach. Für die Rolle in „Hair“ brachte sie Erfahrung mit, denn auch in Darmstadt und Coburg brillierte sie bereits in diesem Stück. Zu einem der Publikumslieblinge avancierte sehr schnell Beatrice Reece, die als Jeanie mit sehr viel Komik und gesanglicher Brillanz immer wieder ihre unerschöpfliche, aber unerwiderte Liebe zu Claude offenbarte.

Die Musik mit Titeln wie „Aquarius“, „Good Morning Starshine“ oder „Easy to be hard“ kennt beinahe jeder. Damian Omansen, überglücklich, als musikalischer Leiter die gesamte Magdeburgische Philharmonie „vereinnahmen“ zu können, schrieb jede Menge neuer Arrangements, setzte den rockbetonten Titeln hier und da fast sinfonische Elemente hinzu.

Bühnenbildner Jens Kilian gelang der Spagat zwischen dem tristen Baustellenambiente voller Gerüste und dem farbigen, prallen Hippie-Leben bestens, und Dagmar Morell, zu jung, um auf eigene Hippie-Erfahrungen zurückgreifen zu können, fühlte sich mit sehr viel Fantasie bei der Kostümgestaltung ein. Sie alle trugen wesentlich dazu bei, dass auch das Musical-Open-Air 2016 zu einem Gütezeichen wurde.

Von Rolf-Dietmar Schmidt / Volksstimme Magdeburg


Make love, not war

Wo sich in der Pause so mach einer bei einem Gläschen Irgendwas und Popcorn an alte Zeiten erinnern kann. Im Falle „Hair“ an 68, die Hippies und daran, wie das aussah und klang. Dass sich da auch ein paar Zeitgenossen unters Publikum mischten, die ihre Langhaarphase bis ins Seniorenalter konserviert haben, gehört zum selbstironischen Teil des Gesamtkunstwerks. Das hat Witz, zumal wenn die dann besonders eifrig und gegen jedes Verbot rebellierend das Tablet hochhalten und die Enkelgeneration beim Rebellionspielen aufnehmen.

Das Ganze lohnt sich, vor allem, weil in der Regie von Erik Petersen ein Hit auf den andern folgt, und die Truppe, perfekt gecastet, Genuss für Ohren, Augen und Gemüt bietet. Und weil „Hair" mit seinen über 30 Songs, von denen manche (von „Aquarius“ über „Good Morning Starshine“ bis „Let the Sunshine in“) wirkliche Welthits sind, das Lebensgefühl einer rebellischen Aufbruchszeit mit einer ernsthaften Botschaft von Love und Peace verbindet. Alles ein bisschen vereinfacht, mit Jugendslang a la fuck you durchsetzt und auf die Assoziationskraft der Klischees bauend. Aber in sich stimmig. Vor allem weil die Musik von Galt MacDermont, die allemal näher an Bernstein reicht, als dass sie Webber streift, ihren Sog entfaltet. Schade nur, dass sich Dirigent Damian Omanes, die Chance entgehen ließ, mit den Musikern der Philharmonie am Ende noch mal mit einem Rausschmeisser abzuräumen. 

Das Ganze spielt auf der Baustelle der Twin Towers des World Trade Centers. Bei Jens Kilian sind das drei halbrunde Baugerüst-Etagen und ein mitspielender Baukran. Hier schlagen die Hippies – illegal versteht sich – ihre Zelte auf, samt Matratzen und Hanftöpfen für die Selbstgedrehten. Hier wettern die grauen Spießer des Establishments wie Mr. Bukowski (Peter Wittig) und seine mit Dutt gekrönte Gattin (Ulrike Baumbach) gegen die Langhaarigen um Burger (Gil Ofarim), Hud (Daniel Dodd-Ellis) oder Jeanie (Beatrice Reece), von denen sich ihr Sohnemann Claude (Jan Rekeszus) faszinieren lässt. Samt Aufnahmeritus, einer Vision amerikanischer Geschichte als purer Alptraum, die Zwangsrekrutierung Claudes für die Army und sein Tod in Vietnam mit 18 Jahren. Die Schlussbotschaften jedes einzelnen an der Rampe gelten immer noch – merkt man am Zwischenbeifall für „kein Mensch ist illegal.“

„Hair" ist das Musical zum Aufbruch in unsere Gegenwart gewesen. Den Domplatz verlässt man gut gestimmt. Nicht nur weil das Wetter gehalten hat und auch der richtige Mond überm Dom angesungen werden konnte. Auch nachdenklich, ob der Satz im Stück stimmt, dass es in 50 Jahren – also ungefähr jetzt – eine bessere Welt sein wird, in der wir leben. Mehr kann man von einem Musical nicht verlangen.

Joachim Lange / nmz Online


Hair, ein Musical über Liebe, Freiheit und Rebellion

Die Zuschauer durften auf die Aufführung gespannt sein, die wie jedes Jahr vor der Kulisse des altehrwürdigen Doms in Magdeburg stattfand, denn im Kern ist „Hair“ ein sehr intimes Stück und die große Bühne mit Leben zu füllen, schon eine Herausforderung.
 
Dem Regisseur Erik Petersen, gebürtiger Magdeburger, ist dies mit seiner Neuinszenierung hervorragend gelungen. Entstanden ist ein Stück von hohem Unterhaltungswert und ernster Botschaft, denn auch 50 Jahre nach seiner Aufführung hat dieses Stück politisch nichts an seiner Aktualität verloren.
 
Geschrieben von den beiden befreundeten Schauspielern Gerome Ragni und James Rado und der komponierten, unvergesslichen Musik von Galt MacDermot dazu wurde „Hair“ 1967 uraufgeführt. Ein Siegeszug rund um die Welt begann nach der Broadway-Premiere 1968.
 
Die Handlung spielt Ende der 60iger Jahre. Es ist eine Zeit des Aufbruchs der Jugend und der Rebellion, ein Aufbegehren gegen den sinnlos geführten Vietnamkrieg der USA und auch gegen jede Art einer autoritären Elterngeneration in dieser Zeit. Die Hippies, auch Blumenkinder genannt – entwickeln eine Gegenkultur in dieser Zeit unter dem Slogan „Make love, not war!“, die sich der freien Liebe widmet, begleitet von viel Drogenkonsum. Als äußeres Zeichen des Protestes werden schmuddelige Kleidung und lange Haare getragen.
 
Wir schreiben das Jahr 1968 in New York. Spielstätte ist das World Trade Center, dass sich zeitgleich mit der Aufführung des Musicals im Bau befand.
 
Mr. Bukowski (großartig gespielt von Peter Wittig) ist mit seinem Team am Bau beteiligt und muss eines Tages feststellen, dass eine ganze Hippiegruppe sich die Baustelle als Wohnquartier ausgesucht hat. Bukowskis Sohn Claude (brillant) ist fasziniert als er auf die Gruppe von Jugendlichen trifft. Claude, aus einem konservativem Elternhaus stammend, ist begeistert von der Lebensweise und dem Gemeinschaftssinn der Hippies. Als er sich mit deren Anführer Berger (toll) anfreundet, beginnt auch für ihn ein Umdenken in ein freies Leben, bis er seinen Einberufungsbefehl als Soldat nach Vietnam erhält. Claude wird diesen Einsatz mit seinem Leben bezahlen.
 
Es ist eine gelungene Inszenierung, die Erik Petersen mit seinem gesamten Team auf die Bühne bringt mit schwungvollen und bunten Tanz- und Gesangseinlagen, voller Emotionen und Lebensfreude.Der musikalische Leiter Damian Omansen hat extra für Magdeburg neue musikalische Arrangements geschrieben – großartig!
 
Auch in diesem Jahr konnte das Theater Magdeburg herausragende internationale Musikdarsteller gewinnen und doch hat jeder Darsteller für sich dazu beigetragen, dass „Hair“ ein voller Erfolg wurde und wird. Die Bühne von Jens Kilian mit viel Liebe zum Detail war äußerst gelungen, auch die tollen, farbenprächtigen Kostüme von Dagmar Morell trugen zum großen Erfolg bei. Es wird gerockt, gesungen, getanzt – und das vom Feinsten!!!
Die Zuschauer dankten  stehend mit viel Applaus.

Torsten Waschinski / Wochenspiegel